Bossgard Screenshot Playfestival 2019 in Hamburg

Mein erstes Playfestival – die Play 2019

Dieses Jahr war ich zum ersten Mal auf dem Playfestival in Hamburg. Ich war im Vorfeld ein wenig verunsichert, weil ich nicht genau wusste, was auf mich zu kommt. Die einzelnen Veranstaltungsräume der Play 19 waren über die Markthalle und die Zentralbibliothek verteilt und überhaupt hatte ich keine Orientierung.

Wenn mich Leute im Vorfeld fragten, was das Playfestival ist, hatte ich ihnen gesagt: Das Playfestival ist eher ein Festival, in dem es mehr um das um Spiele drumherum geht, also eine Zusammenkunft mit vielen Workshops und Talks zum Thema Gaming.

Jetzt im Nachhinein würde ich schon sagen, dass die Spiele im Vordergrund stehen und die Gespräche und Workshops eher ein  zusätzlicher Bonus sind. Diese Einschätzung mag aber auch damit zusammenhängen, dass ich „erst“ ab Mittag da war, viel spielte und nur bei einem Workshop war. Aber immer schön der Reihe nach.

Auf der Play 19

Die Ausstellung, also die Spiele, befanden sich in den Kellerräumen der Markthalle. Hier konnten viele dieser ausgestellten Spiele ausprobiert werden. Ein Bereich für Erwachsene war abgetrennt. Vorteilhafterweise kam ich dann auch einmal eher zum Spielen dran.

Zur Bewertung der Spiele hatte ich auch drei Klebepunkte bekommen. Mir waren nur die genauen Kriterien, nach denen ich bewerten sollte – Kreativität, gutes Spiel, wertvolles Spiel – nicht so ganz klar. Und da ich nur einen geringen Teil der Spiele ausprobiert hatte, fand ich es fairer mich zu enthalten.

Mir fielen auch schon Spielegruppen auf, die gefühlt weniger Punkte bekommen hatten, als der Rest: Die Spiele aus dem Erwachsenenbereich und Spiele, die sich auf gesellschaftliche Probleme konzentrierten z. B. Passengers mit dem Thema Migration oder The Game: The Game mit dem Thema Umgang mit bzw. Erkennung von Pickup-Artists.

Aber kommen wir nun zu einigen Spielen, die ich gerne explizite erwähnen möchte.

Bossgard

Bossgard ist ein kleines Mehrspielerspiel, in dem es eigentlich nur darum geht einen Oberbösewicht zu besiegen, der teilweise groteske Gestalt wie z. B. Die eines Toasts oder Pömpels.

Bossgard Screenshot Playfestival 2019 in Hamburg

Pile up

Pile up ist ein kleines Coop-Spiel. Die Spieler spielen kleine quadratische „Roboter“, die durch die Gegend fahren und mit herumliegenden Kisten und Gegenständen – ja sogar anderen Spielerrobrotern – Stapel bilden können. Dabei kann der unterste Roboter alles auf ihm liegende transportieren. Im ersten Moment dachte ich noch, die Spieler würden gegeneinander antreten und es würde darum gehen große Stapel zu bilden. Aber nein. Ich erkannte, dass nur gemeinsam neue Ziele, also Fortkommen in Leveln durch das Lösen von Rätseln erreicht werden könnte.

Reventure

Ist ein Mini-Adventure im Wonderboy-Style – die Älteren öhm nicht ganz so Jungen werden sich sicher erinnern: Ihr lauft sidescrollend durch eine Spielwelt und könnt Gegenstände einsammeln. Das Interessante an diesem Spiel ist, dass es über 100 verschiedene Enden gibt. Das können auch solche Kleinigkeiten sein, wie dass ihr das blaue Sprite hinter den ganzen blauen Monster-Sprites umgebracht habt. Leider war dies eine Wache – hättet ihr dem Pixelhaufen einmal zugehört bevor ihr zugeschlagen habt. Das ist mir natürlich nicht passiert…

Grave Call

Das Spiel Grave Call machte durch einen echten Sarg im Ausstellungsbereich auf sich aufmerksam. Und ja, er wird auch zum Spielen benutzt. Bei diesem Coop Spiel legt sich eine Person in den Sarg, der auch geschlossen wird. Die Story des Spieles ist, dass eine Person lebendig begraben wurde – keine Sorge, der Sarg wird nur geschlossen – und mit ihrem fastleeren Smartphone gerade noch die Polizei anrufen kann. Der andere Spieler als Polizist versucht nun mit Hinweisen der anrufenden Person, diese zu lokalisieren. Dazu kann die vergrabene Person noch in ihrem Handy nach Hinweisen – Namen, Fotos etc. suchen. Der Polizist kann dem Polizeicomputer – in diesem Fall ein Touchscreen – nutzen, um Polizeistreifen los zu schicken oder nach verdächtigen Namen zu suchen. Aber Achtung die Zeit rennt.Grave Call - Sarg Out of Order auf der Play 2019

Ich habe es leider nicht geschafft meine Spielpartnerin aus dem Sarg zu befreien, aber immerhin bekamen wir ein Werbegeschenk von einem Sponsor des Spiels – einen Kugelschreiber eines Bestattungsunternehmens.

Untitled Goose Game

Das Untitled Goose Game war mir dieses Jahr zum ersten Mal „untergekommen“ als ich ein Mem sah, das ich nicht verstand. In diesem Mem kommt der Tod zu einer Gans und diese stiehlt ihm die Sense, woraufhin über dem Tod in einer Sprachblase eine Sense erschien. Um den Gag zu verstehen, muss der Betrachter dieses Spiel kennen. Ihr spielt eine Gans, die in ihrer Umwelt allerhand Schabernack treiben kann – mir kam sofort der Goat Simulator in den Kopf. Vor allem geht es darum, dass die Gans Gegenstände klaut und die Personen dieser Spielwelt, die Gegenstände dann vermissen. Das Spiel war leider auch jedes Mal besetzt, wenn ich daran vorbei ging.

The Game: The Game

Wie schon oben erwähnt handelt The Game: The Game vom Thema Pickup Artitists. Kurzer Exkurs: Bei Pickup Artists handelt es sich um überwigend Männer, die Frauen mit diversen psychologischen Tricks nicht nur anflirten, sondern auch ins Bett kriegen wollen. Dabei werden die Opfer im Verlaufe des Kontaktes über mehrere Wochen emotional attackiert und destabilisiert bis die Personen ihr Ziel erreicht haben.

In diesem dialogbasierten Spiel geht es darum, solche Personen im Vorfeld nicht nur zu erkennen, sondern diese auch zu vermeiden bzw. nicht in ihre kommunikativen Fallen zu laufen. Denn oft kann eine Person auch durch ein zu höfliches Ablehnen sofort in eine Konversation verstrickt werden.

Die Erwachsenen-Ecke

Hinter einem Vorhang in einem Torbogen, der Stark an Castle Greyskull aus Masters of the Universe erinnerte, befand sich abgeschirmt vom Rest des Festivals die Erwachsenenecke.Reales Castle Greyskull aus Masters of The Universe symbolisiert den Erwachsenenbereich des Playfestival 2019

Ben and Ed – Bloody Party

Ben and Ed Blood-Party war das erste Spiel, das ich im Erwachsenen-Bereich spielte. Ziel des Spieles ist es seine Spielfigur oder zumindest den Kopf von ihr ins Ziel zu bringen. Dass der Kopf reicht, zeigt auch dass das Ganze nicht so einfach ist. Diverse Fallen in Form von Rotatoren, schwingenden Hämmern und sich öffnenden Bodenplatten machen es dem Helden schwer ganz unversehrt zu überleben. Des Öfteren wird eine Gliedmaße abgetrennt. Zum Glück gibt es Spawnpoints in der Mitte der Level.  Dass Blood Party sich als Mehrspielerspiel als Partyspiel eignet wurde allerdings daran deutlich, dass das Spiel von einem Beamer an eine Leinwand, vor der ein Sofa für die Spieler stand, projiziert wurde. Da manchmal ein Video mehr als tausend Bilder sagt, hier ein Trailer:

Zombie Night Terror

Einige erinnern sich vielleicht noch an das Spiel Lemmings, bei dem es darum ging, möglichst viele Lemminge zum Ausgang zu retten. Zombie Night Terror setzt diese Tradition fort nur eben mit Zombies. Diese müssen gefährdet durch Fallen oder bewaffnete Menschen sicher zum Ziel geleitet werden. Dabei helfen diverse Fertigkeiten, die bei Bedarf bei einigen Zombies oder auch Menschen aktiviert werden können. Bei den Zombies ist das z. B. explodieren, um einen Weg frei zu machen oder zu einem Wegweiserzombie zu werden. Bei Menschen kann die Funktion aktiviert werden, diese in Zombies zu verwandeln. Das kann zum Teil sehr lustige Kettenreaktionen zur Folge haben, da Zombies Menschen durch beißen auch in Zombies verwandeln. Dieses Spiel werde ich mir auf jeden Fall kaufen.

Zombie Night Terror- Ein Lemmings mit Zombies auf dem Playfestival 2019

Carrion

Carrion ist für mich ein weiterer Kauf-Kandidat. Ihr spielt eine rotes etwas, das mehr Biomasse aufbaut, wenn es Menschen frisst. Dazu hangelt sich das Wesen an seinen Gliedmaßen durch ein Tunnelsystem, sucht sich Opfer und nutzt Gegenstände und Schalter, um Wege frei zu räumen. Aber Achtung: Einige Menschen sind bewaffnet. Treffer kosten dem Carrion Biomasse. Ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden 🙂

Screenshot von Carrion auf dem Playfestival 2019 in Hamburg

Dissecting Sea of Solitude: Monster Design Based on Human Emoticons.

Bei diesem Vortrag stellte der Entwickler des Spieles den Hintergrund des Spieles „Sea of Solitude“ dar. Ich war aufgrund von Terminüberschneidungen nur zehn Minuten in diesem Vortrag, erlebte aber die psychologischen Punkte des Monsterdesigns mit: In diesem Spiel tauchen die Mutter und der Vater der Protagonistin als Monster auf, die je nach Familienfunktion ein anderes Aussehen haben. Die Mutter hat dabei die Gestalt eines riesigen Oktopusses, was ihr Klammern symbolisiert. Der Vater dagegen erscheint als finsteres Monster und wahrt Distanz. Des Weiteren vermeidet er Konflikte und Wasser, welches wiederum für Probleme steht, in dem er ertinken würde. Ich wäre hier noch gerne länger geblieben, aber ich wollte zum nächsten Workshop.

Parasoziale Beziehungen zu Videospielfiguren

In dem Seminar „Parasoziale Beziehungen zu Videospielfiguren“, das von @WallOfMyths gehalten wurde, ging es als Fallbeispiel um die Beziehungen zwischen Spieler und Pokémon. Dazu wurde der Theoriebogen mit einer Historie des Pokémon-Franchises begonnen, der sich lückenlos zur psychologischen Theorie spannte. Hier war die wichtigste Grundlage die PSI-PSB-Spirale. Dabei handelt es sich um die Veranschaulichung der sich gegenseitig immer mehr verstärkenden Faktoren der parasozialen Interaktion und der parasozialen Bindung. Beispiel: Es erfolgt eine Interaktion mit einem süßen Pokémon-Avatar z. B. virtuelles Streicheln. Das Pokémon antwortet entsprechend mit Gestiken, Mimiken und Geräuschen, was die Bindung zu diesem  Pokémon stärkt, wodurch wiederum das Bedürfnis mit diesem zu interagieren größer wird. Da Pokémon zur Zeit noch nicht als künstliche Intelligenz selbstständig direkt auf die Aktionen reagieren, sondern dies entweder festgelegten manchmal auch zufällige Antworten sind, ist es keine richtige Interaktionen bzw. Bindungen, sondern eine parasoziale. Soviel zur Theorie.

Als erstes (Negativ-)Beispiel sollte das Pokémon Traumato dienen und bewertet werden. Die meisten Teilnehmer attributierten Traumato eher negativ, auch wenn jemand einwarf, dass es das einzige Pokémon sei, dass cooler als seine Weiterentwicklung wäre. Die große Herausforderung  war am Ende des Workshops das Zusammentragen von Faktoren, welche parasoziale Beziehungen und parasoziale Interaktion begünstigen. Hier kamen wir auch auf viele Ergebnisse.Workshop: Parasoziale Beziehungen zu Videospielfiguren

Danach ging es noch einmal in die Markthalle. Ich blieb allerdings nicht mehr bis zur Show ab 20 Uhr. Dafür reichten meine Kapazitäten nicht mehr aus. @OddNina es tut mir leid, das nächste Mal versuche ich das zu berücksichtigen. Vor allem, wenn ich dann auch weiß, dass du auf der Bühne stehst. Perfekte Überleitung:

Soziales

Wie ihr euch anhand der Überleitung denken könnt, traf ich meine ehemalige Kollegin die @OddNina. Ich sah ihr kurz beim Spielen von „Pile Up“ zu und begrüßte sie dann. Wir hatten nicht so viel Zeit zum Reden, weil Nina stark in das Playfestival eingebunden war.  Den @Celilander verpasste ich leider. Ich merkte erst hinterher über Twitter, dass er auch da gewesen war. So ein kleines Festival und man läuft sich nicht über den Weg. Zu guter Letzt traf ich zum ersten Mal die @WallOfMyths. Sie hielt den oben genannten Workshop „Parasozialen Beziehungen zu Videospielfiguren“. Wir hatten nach dem Workshop noch gute Gespräche, auch wenn ich sie leider nicht rechtzeitig aus dem Sarg befreien konnte – siehe auch oben „Grave Call“.

Leichte Kritik am Playfestival

Für mich als Neuling war der Hauptkritikpunkt die Unübersichtlichkeit. Ich hatte im Vorfeld schon mitbekommen, dass das Festival in verschiedenen Orten stattfindet. Aber selbst in den einzelnen Orten war dies nicht so einfach. Für die Spieleausstellung musste ich in der Markthalle nach unten. Fußspurenaufkleber erleichterten mir dies hörten allerdings kurz nach der Treppe auf. Dass Personen durch eine unscheinbare kleine Türöffnung, die eher wie ein inoffizieller Bereich erschien, kamen, wies mir dann den Weg. Für das nächste Jahr weiß ich das. Aber andere Play-Neulinge könnten das gleiche Problem haben.

Der Workshop, den ich besuchte war auf zweiten Ebene  der Zentralbibliothek. Da ich den Zugang – einige Türen im Treppenhaus sind nur Nottüren – zu diesem über das Treppenhaus nicht sofort fand, nutzte ich den Fahrstuhl. Auf dem Rückweg erkannte ich auch das Problem: Der Eingang von der Bahnhofsseite ist der 1. Stock und nicht wie ich erwartet hätte das Erdgeschoss. Damit war ich aber offensichtlich nicht allein: Einige Teilnehmer kamen zu spät, weil diese als Gruppe im falschen Stockwerk gewartet hatten.

Apropos Workshop: Als ich vor dem besuchten Workshop wartete, hörte ich, dass Listen an der Kasse zur Anmeldung ausgelegen hätten. Ich war aber auch hier nicht der einzige, der das nicht mitbekommen hatte. Wie gut, dass aber alle noch teilnehmen konnten. Es wurde ein wenig kuschelig, aber machte Spaß.

Fazit meines ersten Besuches des Playfestivals

Trotz der Kritikpunkte war es ein tolles Festival und ich kann jedem empfehlen, es sich einmal anzusehen. Viele neue Spiele, mit interessanten Ideen, mit der Möglichkeit diese anzuspielen. Tolle Workshopangebote und Talks, von denen der Besucher sich inspirieren lassen konnte. Die Chancen stehen gut, dass ich 2020 wieder komme.

 

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