Dark Morcar Real Life Vampir

Real Life Vampire

Heute ein ganz spezielles Thema: Real Life Vampire. Ich weiß einige werden überlegen, ob es nicht ein verspäteter Halloweenscherz ist. Aber sie leben ganz normal unter uns und ich kenne einige sogar persönlich.

Ich habe lange überlegt, wie ich am besten mit dem Thema anfange, und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das mit einer kleinen Definition mache.

Was sind überhaupt Real Life Vampire?

Real Life Vampire sind Menschen wie du und ich. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass sie in in mehr oder weniger (un-)regelmäßigen Abständen Blut trinken, teilweise sogar brauchen. Bei einigen stellen sich Entzugserscheinungen wie z.B. innere Unruhe und schlechter Schlaf ein – das sind jetzt die harmloseren – bis hin zu einem sehr starken Leidensdruck, einer großen inneren Qual. Ob diese Symptome physisch oder psychisch bedingt sind, kann ich dabei nicht sagen.Dark Morcar Real Life Vampir im viktorianischen OutfitIhr würdet Real Life Vampire im Alltag nicht unbedingt erkennen, da sie nicht zwangsläufig der Gothic-Szene angehören, wie ein Leser nun vermuten könnte. Einige tragen mitunter ganz helle oder bunte Farben. Auch gehen die meisten ganz normalen Berufen nach – einige von ihnen haben promoviert. Vielleicht sind sie auch eure Hausärzte 😉

Bevor ihr nun in Panik verfallt. Diese Vampire fallen jetzt nicht nachts über hilflose Menschen her, sondern suchen sich im günstigsten Fall einen Menschen, der bereit ist, zu spenden – diese Person kann auch Vampir sein. Dieser Fall ist allerdings eher unüblich. Diese Spender werden auch als Donoren oder rote Schwäne bezeichnet.

Nun könnte der kritische Leser sagen: „Ihhh! Die trinken wild von fremden Menschen! Die stecken sich doch alle mit Krankheiten an!“ Ich kann insofern Entwarnung geben, dass Personen in dieser Subkultur gerade auf diesen Punkt der Ansteckungsprävention sehr viel wert legen. Regelmäßige Bluttests sind hier die Regel. Überhaupt gehen viele Vampire und Donoren regelmäßig zur normalen Blutspende, bei der das medizinische Personal oft überrascht ist, wie gut sich ihre Spender mit dem Material auskennen.Butterfly Kanülen zur BlutentnahmeZu dem Spenden ist noch zu sagen, dass dies ein sehr intimer Vorgang ist und jetzt definitiv nicht mit Blutorgien aus irgendwelchen Horrorfilmen zu vergleichen. Vielleicht ist der beste Vergleich der mit Sex. Die meisten unter euch werden nicht einfach mit jeder Person Sex haben, die euch über den Weg läuft. Einige von euch werden vielleicht mit mehreren Personen parallel sexuelle Beziehungen führen. Die Mehrheit aber wahrscheinlich klassisch nur mit einer. Nur die wenigsten werden vielfach wechselnde Partner haben. Genauso verhält es sich mit Vampir-Donor-Verhältnissen.

Blut trinken, aber wie?

Wie schon in meinem Beitrag über den Kongress der Vampyre 2016 auf Lohm beschrieben, gibt es diverse Trink-Methoden. Das aus dem Fernsehen bekannte klassische Beißen ist dabei eher unüblich, da es sehr unhygienisch ist und Spuren hinterlässt. Auch fügt es in der Regel der gebissenen Person erhebliche Schmerzen zu – gar nicht so einfach auf diese Art zum roten Gold zu kommen 😉
Schneiden wird von einigen praktiziert, ist aber augrund der Narbenbildung eher unüblich. Die gängiste Methode ist das Trinken über eine normale Kanüle oder eine Butterfly-Kanüle.

Vampyre – Die Sache mit dem y und dem i

Sicher ist euch schon aufgefallen, dass ich das Wort Vampir auch an einigen anderen Stellen oder Beiträgen z.B. in Vampyre unter uns – Interview mit einem Vampyr mit y sprich Vampyr geschrieben habe. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Vampir-Subkultur sich mit dieser Schreibweise bewusst vom literarischen Vampir abgrenzen möchte. Gibt auch regelmäßig „Streit“ in der Vampyr-Subkultur wegen der Schreibweise 😉Dark Morcar Real Life Vampir

Was sind Real Life Vampire nicht?

Ich habe oben geschrieben, was ein Vampir öhm ich meine  Vampyr ist. Ganz wichtig ist aber auch abzugrenzen, was Vampire nicht sind:

  • Literarische Vampire: Real Life Vampire haben keine magische Kräfte, können nicht fliegen, sich in Fledermäuse verwandeln oder in Luft auflösen. Auch zerfallen sie bei Sonnenlicht nicht zu Staub. Und schon gar nicht glitzern sie – ein Spruch, den sie sicher noch nie gehört haben! Eines haben sie allerdings gemeinsam mit den literarischen Vorbildern: Sie sterben, wenn sie einen Holzpflock ins Herz bekommen.
  • Blutfetischisten: Es gibt Menschen, die der Umgang mit Blut geil macht. Und Blut mit Sex verbinden – in welcher Form auch immer. Es mag die Kombination Vampir-Blutfetischist geben, ist mir aber bewusst bisher nicht untergekommen
  • Life Styler / Fangbanger: Es gibt Menschen, die sich auch im Alltag gerne wie die literarischen Vorbilder kleiden und geben. Vampire sind in der Regel keine Lifestyler, wenn auch hier die Kombination Vampir / Life-Styler vorkommt.
  • Rollenspieler: Vampire sind keine Rollenspieler. Wenn es sicherlich auch Vampire gibt, die gerne Rollenspiele spielen – in diesem Fall ist „Vampire The Masquerade“ ein oft genutztes System – wer hätte das gedacht.

Vielleicht ist es an dieser Stelle wichtig hinzuweisen, dass das Bild von den Medien stark verzerrt wird, da einzelne Individuen interviewt werden – reisserisch und interessant sind da leider eher die Leute, die ein erwartetes Klischee erfüllen. Es ist wie im letzten Abschnitt angedeutet nicht unbedingt ein bestimmter Lebensstil mit dem Vampirismus gekoppelt. Überhaupt ist es keine bewusste Entscheidung „Ich bin jetzt mal Vampir“, sondern Menschen haben diese Veranlagung oder eben auch nicht.

Organisationen

Einige dieser Vampire sind eher für sich alleine unterwegs oder wissen gar nicht, dass sie nicht alleine sind. Andere schließen sich in Gemeinschaften und Interessensgruppen zusammen. In den USA gibt es z.B. den Sabretooth-Klan, der von Father Sebastiaan geführt wird – einige haben ihn vielleicht schon auf dem WGT oder M’era Luna gesehen, wo er seine Fähigkeiten als Fangsmith untFather Sebastiaan beim Vampir-Ball "The Endless Night" 2015 in Berliner Beweis stellt. Er bietet dort an, Fangs, also Vampirzähne, herzustellen. Mitglieder dieses Klans sind am sogenannten „Bladed Ankh“ erkennbar. Von anderen Vampir-Communities wird Sabretooth gerade durch diese öffentlichen zur Schau-Stellung des Vampirismus kombiniert mit dem kommerziellen Aspekt mitunter eher sehr kritisch gesehen. Aber vielleicht ist das auch der American Way of Life, wenn wir mal zur aktuellen Wahl schauen…

In Deutschland gibt es auch mehrere Gemeinschaften, die allerdings nicht so in der Öffentlichkeit agieren, wie ihr Pendant aus Amerika.

Schwarzer Schwan oder was habe ich eigentlich mit der Sache zu tun?

Einige werden sich sicher im Verlauf des Artikels gefragt haben, was ich nun genau bin. Ich bin kein Vampir oder Donor, sondern ein Mitwisser, ein sogenannter schwarzer Schwan und bewege mich normal unter ihnen in der Gemeinschaft. Der Terminus „schwarzer Schwan“ rührt daher, dass die Wahrscheinlichkeit einen „normalen“ Menschen zu finden, der mit der Thematik gut umgehen kann, genauso selten ist, wie das Vorkommen eines schwarzen Schwanes in der Natur. Die oben genutzte Bezeichnung „roter Schwan“ für einen Spender oder Donor leitet sich übrigens von der Bezeichnung des schwarzen Schwanes ab.Vamp in Black Vampyre bzw. Real Life VampireZum Abschluss möchte ich mich bei Dark Morcar (Twitter/Instagram/FB)  bedanken, der den Text noch einmal Korrektur gelesen hat, und den ihr auch auf den Bildern hier seht 🙂
Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, dann fragt. Bei Bedarf kann ich einige einzelne Themen in einem eigenen Beitrag intensiver beleuchten. Weitere Beiträge wären auch mein bevorzugter Antwortweg 🙂

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15 Gedanken zu „Real Life Vampire“

  1. Ich finde der Text bzw. Beitrag ist richtig toll geworden! Ich müsste mich auch nochmal hinsetzen und darüber etwas schreiben, allein weil einige Blogleser, Freunde und Bekannte sich das nicht nur gewünswcht haben. Nein, im Grunde genommen erwarten das sogar einige von mir, da ich ja wirklich einige „Klischees“ bediene…

    Zum Rollenspiel: Ich bin ein großer Fan von Vampires Masquerade, aber eher von dem PC Spiel, als der original Pen&Paper Variante. Vielleicht kommt es ja auch daher, dass ich in dem System so meine Probleme habe einen Vampir zu spielen. ^^“

    1. Danke, dann hat sich die investierte Zeit gelohnt 🙂
      Ich bin mal gespannt, wie dein Artikel aussieht 🙂

      Ich muss zugeben, dass ich bisher noch kein Vampirollenspiel ausprobiert habe, was ich aber auch mal gerne tun würde, aber du weißt ja die Zeit ^^

  2. Wie immer wenn man was in diesem Internet liest, stelle ich fest: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Das es zweifellos eine Szene wie diese geben muss, stand für mich außer frage. Das ist jemanden kenne, der diese Szene tatsächlich kennt, macht mich irgendwie stolz. Ich hatte beim Lesen des Artikels nur überlegt: „Will der jetzt mein Blut?“ und war dann irgendwie erleichtert, dass du „nur“ ein schwarzer Schwan bist.

    Und ja: mir ist mein „erleichtert-Terminus“ durchaus aufgefallen. Man sehe mir nach, dass ich das irgendwie gruselig finde. Ich mein, mein eigenes Blut habe ich auch schon gekostet. Wenn man sich schneidet oder so, steckt man den Finger ja doch in den Mund. Den Geschmack finde ich jetzt nicht so toll.

    Bei beiderseitigem Einverständnis bleibt dann nur das „who cares“ und viel Spaß noch 😉

    1. Danke für deinen Kommentar. Ich kann verstehen, dass du erleichtert bist. Das Thema ist für viele nicht so einfach. Ich kann dir nur sagen, dass ich in der Szene vor allem sehr liebe Menschen kennengelernt habe. Die sind eben nicht so, wie das Klischee sie vermuten lassen würde, sondern eben sehr umgänglich und sind wie andere Menschen nur mit dem Unterschied, dass sie diese Veranlagung haben.

    2. Und noch eine zweite Antwort, weil ich das im anderen Kommentar nicht explizit erwähnt habe und manchmal ein Nicht-Antworten bzw. ein Nicht-auf-etwas-Eingehen anders gewertet wird: Das in beiderseitigem Einvernehmen ist in der Szene sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr wichtig!!! Und überhaupt Grundbedingung!

  3. Huhu,
    nun allein schon da ich mich schon seid Ewigkeiten ,ca 30 Jahren, für Vampire oder auch den Vampyr interessiere, kommt man um das Thema nicht rum. Ich kenne auch und muss sagen, ich finde es jetzt schon wieder zu einnehmend geschrieben. Den meine Erfahrung sagt mir , auch dort gibt es die durchgeknallten wie überall auch. Und meist sind es ja auch die, die für ärger Sorgen und für das nicht gewollte Aufsehen. Ich halte es hier wie bei allem anderen auch , wie es in den Wald rein ……….
    Ansonsten darf jeder von mir aus gerne Leben wie er mag, solange er es mit Gleichgesinnten oder mit dem Einverständnis seines Gegenübers macht.
    Liebe Grüße
    Ute
    PS: Meine Bekannten würden mich für so einen Bericht mit Bild glaub ich vierteilen, Respekt für deine Freunde

    1. Hallo Ute,
      danke, ich kann deine Kritik verstehen. Leider gibt es, wie in allen Subkulturen, sicher auch hier extreme Leute. Die Aussagen, die ich hier treffe, beziehen sich allerdings auf meine Gesamterfahrung und die lasse ich mir von wenigen Individuen, die es wohl gibt, die ich aber real nicht getroffen habe, nicht kaputt machen ^^
      Es gibt in den Medien leider auch öfter „Vampir“-Berichte, in denen es um dunkle Rituale und/oder Morde geht. Die bei genauerem Hinsehen aber eher in die Kategorie Satanismus fallen.
      Ansonsten sehe ich es wie du – ich mag den kategorischen Imperativ von Kant 🙂
      Was die Bilder angeht: Das war vorher so abgesprochen, ich habe zwei sogar geliefert bekommen ^^
      Liebe Grüße
      Shadowelf

      1. Das dachte ich mir, das du die Bilder nicht so raus haust “ lach “
        Respekt vor den Herren.
        Ich wollte dich auch nicht wirklich angreifen …. Ich finde halt nur berichte sollten immer etwas von für und wieder haben.
        Die letzte Zeit hat mir gerade mit Fifty Shades of grey und so bewiesen die lesen was und rennen und finde es toll , ohne zu überlegen ob das Ganze was für sie ist oder aber eine gewisse Grund Vorsicht walten zu lassen.

        1. Keine Sorge, ich habe mich auch nicht angegriffen gefühlt. Ist ja ein berechtigter Einwand 🙂
          Den „Fifty Shades of Grey“-Effekt hatte die Vampyr-Subkultur ein paar Jahre vorher durch Twilight – ja ich weiß, „Fifty Shades of Grey“ ist aus der Fanfiction zu Twilight entstanden ^^

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